Die Kunst, zwischen den Liedern zu flanieren ...
Die Kunst, zwischen den Liedern zu flanieren ...
Das Leben verändert sich und ... es verändern sich auch die Lieder, die seinen Lauf beglei-
ten. Es braucht eine echte, aufrichtige und entschiedene Anstrengung, alles Künstliche in
der Kunst abzuschütteln – das vom Massenkonsum Geprägte raus zu filtern , welches das
Liederschaffen und dessen Vortragsweise in den letzten zwei Jahrzehnten beeinflusst hat.
Es gibt eine ganz neue Generation von Künstlern, die sich, mehr oder weniger bewusst, vom
süsslichen Einheitsbrei des Pop-Sounds distanziert, wie man ihn von Kalkutta bis Buenos
Aires und von Melbourne bis Lissabon vorgesetzt bekommt und beiläufig wie ein Sandwich
von McDonald’s in sich hineinstopft. Diesen Künstlern gelingt es, etwas Eigenes auszudrü-
cken, indem sie zum Ursprung eines Instrumentes zurückkehren.
Mit poetischer Begabung hüllen sie dessen Klangkörper in ein Geflecht aus Rhythmen und Harmonien ein.
Einer dieser Künstler ist Marco Todisco. Italienischer Herkunft, aber in der Deutschschweiz im Kanton Graubünden aufgewachsen, ist er das klassische Beispiel des vielseitigen Künstlers (Sänger, Musiker, Komponist, Tänzer, Kabarettist etc.), der innerhalb seines schöpferischen Werdegangs erst mit voller Reife hervortritt und sich dabei auf seine starke Persönlichkeit beruhen kann.
Der Pianist mit herausragender rhythmischer Begabung ist fest im kräftigen Erdreich der
‚Cantautori’ Italiens der Siebziger- und Achzigerjahre verwurzelt, doch es gelingt ihm dank
kompositorischer Geschicklichkeit, Text und Melodie zu einem neuen, übergeordneten Ganzen verschmelzen zu lassen, das erfrischend anders und mit überraschender Originalität
zum Vorschein kommt. Marco Todisco’s Liedgut wächst aus einem Schmelztiegel von Kulturen heraus. Es ist das facettenreiche Ergebnis aus dem Heranreifen im Grenzgebiet und inmitten eines von vielfältigem Brauchtum geprägten Gastlandes. Und so tauchen die verschiedenartigsten Rhythmen und Stile auf: Tango, Cha-Cha-Cha, Bossa Nova, Samba, Mambo, Musette, Walzer etc. Jazzige und beschwingt countrige Elemente gehen in Arpeggien klassischer Art über, weite Melodiebögen entfalten sich in der geschmeidigen, ausdrucksvollen Stimme.
Die Klänge des Kontrabass’ und die diskreten Farben der Perkussion verschmelzen ineinander, das Klavier webt einen Teppich aus Harmonien, über dem die Blasinstrumente und die Stimme ihre Melodien spielen lassen. Todisco’s Liedtexte erzählen vom Leben und Tod, von der Einsamkeit, von der Liebe ... von den wichtigen und nie banalen Themen also, die unser aufregendes und oft unentwirrbares Leben begleiten.
Das Konzert von Marco Todisco besticht auch durch die Frische, die von seiner Person auf
der Bühne ausgeht. Dank seiner über zehnjährigen Erfahrung als Radiomoderator gelingt
es ihm sehr schnell, das Publikum mit seinem überschäumenden Elan und Wortwitz, seiner
Leichtigkeit des Stils und einer wahrhaft ansteckenden, sympathischen Art mitzureissen.
Marco Todisco hat zu einer neuen Weise gefunden, Lieder zu schaffen und vorzutragen.
Es sind Lieder aus der Tradition des Südens, aus ihrem Boden erwachsen, wo alles Südlän-
dische – von der Tarantella zum Flamenco, vom Samba zum Tango – einen weiten Bogen
zwischen Ausdruck und Gefühl spannt!
Aus dem Süden geht es hervor und breitet sich aus, überallhin, wo die Sinne, das Herz und sein Schlagen die Kunst des präzis und sorgfältig gewählten Wortes pflegen. Es ist die Alchemie der Kunst – das stille Wissen des Meisterkochs,
der spielerisch mit den Aromen umzugehen weiss – so wie der Sänger sich damit vergnügt
... zwischen seinen Liedern zu flanieren.
Pippo Pollina,
Januar 2oo9
Originaltext in Italienisch